Doktor Auwieweh sagt "Tschüß"

„Doktor Auwieweh“ verabschiedet sich in den Ruhestand: KiTZ Theaterkumpanei führt nach 20 Jahren zum letzten Mal ihren Singspiel-Klassiker auf

ein Beitrag von Martin Vögele

Es heißt Abschied nehmen: „Doktor Auwieweh“, der Freund der Tiere, der stets all die Wunden und Krankheiten zu heilen verstand, mit denen die Bewohner des Waldes zu ihm kamen, schließt am 20. Oktober endgültig seine Praxis. Dann führt die KiTZ Theaterkumpanei im Theaterladen in Ludwigshafen-Mundenheim ihr Singspiel nach dem russischen Kinderbuch von Kornei Tschukowski nach 20 Jahren und weit über 200 Vorstellungen zum allerletzten Mal auf.

„Uns fallen hinter den Kulissen die Requisiten auseinander“, erklärt „Auwieweh“-Darsteller Peer Damminger mit Blick auf die vor zwei Dekaden von der Puppenbauerin Natascha Toporova gestalteten Figuren. „Ein bisschen weh tut es auch“, die so bekannte wie beliebte Figur in den Ruhestand zu schicken, räumt er ein. „Aber wenn ich jetzt die Kiste aufmache und die Sachen raushole, dann sehe ich, dass sie müde sind“, lacht der Theatermacher, der zusammen mit der Dramatikerin Bärbel Maier das Kinder- und Jugendtheater leitet.

Für die Theaterkumpanei sei das Stück damals „ein großer Sprung nach vorne“ gewesen, erinnert sich Bärbel Maier, die „Doktor Auwieweh“ dramatisiert hatte, außerdem für Musik und Regie verantwortlich zeichnet und obendrein zusammen mit Damminger auf der Bühne spielt. Der Hintergrund: „Doktor Auwieweh“ war weiland als Auftragsproduktion für das deutsch-russische Kulturaustauschprojekt QUATTROLOGE entstanden, das zugleich den Ursprung des Vereins Kultur Rhein-Neckar bildete. 1995 hatte die Theaterkumpanei an einem QUATTROLOGE-Festival im russischen Sochi teilgenommen. Über den Musiker Tomáš Ondrušek knüpften die Theatermacher hiernach Kontakt zu der in Sochi geborenen Illustratorin und Puppenbauerin Natascha Toporova, die zusammen mit Ondrušek ein deutsch-russisches-Bilderbuch zur der bekannten Kindergeschichte des „Doktor Auwieweh“ kreiert hatte.

„Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir immer alles selbst gemacht“, erinnert sich Damminger. Mit Toporova, die Figuren und Bühne gestaltete, sei erstmals jemand dazugekommen, „der eine ganz eigene Ästhetik in das Theater hineingebracht hat“. Das Singspiel für Kinder ab 3 Jahren, das 1999 Premiere feierte, entwickelte sich zum Klassiker: „Es gibt, glaube ich, kein Stück, dem es gelungen ist, so nachhaltig auf das Publikum einzuwirken“, meint Peer Damminger. Bis zu dem Grad, dass der Schauspieler etwa an der Kasse eines türkischen Gemüseladens von einer jungen Frau angesprochen wurde: „Sie sind doch der 'Doktor Auwieweh!'“ - als Kind habe sie das Stück in der Schule gesehen.

Am Sonntag, 20. Oktober, um 11 Uhr, findet die letzte Vorstellung im KiTZ-Theaterladen in Ludwigshafen-Mundenheim statt. Der Eintritt ist frei, aber das Angebot an Sitzplätzen begrenzt – es empfiehlt sich also, den Theaterbesuch besser rasch zu reservieren. 

Ein kleines Trostpflaster gegen den Abschiedsschmerz gibt es aber: Es wird noch eine Videofassung von „Doktor Auwieweh“ erstellt, durch die der liebenswerte Arzt zumindest in filmischer Form weiter konsultiert werden kann.